agathonblue - coaching Training | Philosophische Praxis

Ein Fallbeispiel

Herr S., leitender Angestellter eines mittelständischen Unternehmens mit 380 Mitarbeitern.

Herr S. ist Teamleiter  (12 Personen) in seiner Abteilung, die mit einer anderen Abteilung zusammengelegt werden könnte. Die Abteilungsleiterin (Frau B.) hat angedeutet, dass sie selbst im Fall der Zusammenlegung zweier Abteilungen die zukünftige Abteilung weiterhin leiten würde. Herr S. und Frau B. kennen sich seit 8 Jahren. Frau B. hat die Abteilungsleitung vor vier Jahren übernommen. Herr S. hätte diese Funktion ebenfalls ausüben können, zumal er dem Unternehmen länger angehört als Frau B.

Herr S. hält Frau B. für qualifiziert. Die Zusammenarbeit war bisher von gegenseitigem Respekt geprägt. Seit von der Zusammenlegung der Abteilungen die Rede ist, verhält sich Frau B. zunehmend distanziert gegenüber Herrn S. und kritisiert häufig die Abläufe in seinem Team. Die Mitarbeiter wurden nicht offiziell von einer Zusammenlegung informiert. Inoffiziell ist aber im Unternehmen bekannt, dass Veränderungen geplant sind.

Herr S. entschließt sich zu einem Coaching.

Fragestellung:

  • Gibt es einen konkreten Anlass für das Coaching?
  • Welches Ziel möchte Herr S. mit Hilfe des Coachings verfolgen?

Herr S. nennt als konkreten Anlass, dass Frau B. sich ihm gegenüber distanziert und sich seit zwei Monaten Informationen über den Ablauf in seinem Team regelmäßig nicht bei ihm, sondern bei zweien seiner Mitarbeiter einholt. In größeren Meetings berichtet Frau B. über Missstände in seinem Team, ohne mit ihm darüber gesprochen zu haben.

Als Ziel nennt Herr S., seine Position Frau B. gegenüber ebenso wie seine Rolle als Teamleiter zu stärken. Die Frage, ob er den Verlust seines Arbeitsplatzes befürchtet, verneint Herr S.

In der ersten Sitzung bitte ich Herrn S. darum, die Abteilung, in der er tätig ist, darzustellen, einschließlich seiner eigenen Person. Er kann dabei wählen zwischen folgenden Darstellungsformen:

  • Bildliche Darstellung auf der Flipchart.
  • Pinnwand und Papierkarten verschiedener Größe, Form und Farbe, die beschriftet werden können und anschließend an die Pinnwand geheftet werden.
  • Figuren verschiedener Größe aus Holz oder Plastik, die auf einer Tischplatte oder auf dem Boden angeordnet werden.

Herr S. entscheidet sich zunächst für die bildliche Darstellung auf der Flipchart, dann wählt er die Papierkarten und die Pinnwand.

Ich schlage Herrn S. vor, die Haupteigenschaften der Personen auf die Papierkarten zu schreiben. Wir besprechen das entstandene Abbild der Abteilung, Herr S. kommentiert seine Darstellung. Während des Gesprächs korrigiert Herr S. die eine oder andere Position ebenso wie die Charaktereigenschaften der symbolisierten Personen.

In einem nächsten Schritt bitte ich Herrn S., das Ergebnis abzudecken und auf einer weiteren Pinnwand sein Wunschbild darzustellen. Nach kürzester Zeit ist die neue Darstellung fertig.

Nun beginnt die vergleichende Betrachtung beider Konstellationen. Herr S. kommentiert die Unterschiede und was die Wunschkonstellation im Unternehmen bewirken würden. Die Frage, was denn passieren müsste, damit das Wunschbild eine Chance hätte, kann Herr S. nicht beantworten.

Ich bitte Herrn S., ein wenig mit den Figuren zu spielen, so zu tun, als sei alles möglich. Herr. S. nimmt kleine Veränderungen vor, wirkt aber unzufrieden. Ich setze kommentarlos das Symbol für seine eigene Person an die Stelle der Abteilungsleiterin. Herr S. protestiert zunächst und wirkt etwas verlegen. Dann sein Kommentar: „Ja, so ginge es natürlich.“

Wir sprechen darüber, ob Herr S. den Wunsch hat, Abteilungsleiter zu werden.

Er erklärt, das sei höchst unwahrscheinlich, denn die jetzige Abteilungsleiterin sei eine Bekannte der Frau des Firmeninhabers. Auf die Frage, woher er das wisse, antwortet er, es sei in der ganzen Firma bekannt, jemand habe die beiden Damen schon vor Jahren auf dem Golfplatz gesehen.

Ich frage Herrn S., ob er sich zutraue, im Fall einer Zusammenlegung die neue Abteilung zu leiten, was er zögernd bejaht. Anschließend erklärt er, es könne genauso gut passieren, dass man ihm kündige. Er begründet diese Sorge mit dem aktuellen Verhalten von Frau B. Er glaubt, sie wolle versuchen, ihn beim Vorstand der Firma schlechtzumachen.

Anschließend bitte ich Herrn S., die Personen auszuwählen, mit denen er gerne ein klärendes Gespräch hätte, in der Reihenfolge der Wichtigkeit.

Es stellt sich heraus, dass Herr S. glaubt, mit Frau B. nicht konstruktiv sprechen zu können. Eher könne er sich ein Gespräch mit dem Vorstand vorstellen. Wichtig sei auch ein Gespräch mit seinen Mitarbeitern, bei denen sich Frau B. Informationen hole.

In einer weiteren Coachingsitzung stellt sich heraus, dass Herr S. Abteilungsleiter werden möchte. Seine Vorstellungen für die Umgestaltung der Abteilung und die Optimierung der Prozesse werden herausgearbeitet und in eine Form gebracht, die Herr S. beim Vorstand präsentieren wird.

agathonblue - Schliemannstraße 34 - 10437 Berlin - Tel. 030-81036116